Milben im Hochgebirge ohne Chance |
20. 02. 2003 |
| Kronberg. Asthma – wie lässt es sich erkennen, was kann man tun und wie kann man vorbeugen? Wichtige Fragen, die Dr. Günter Menz, ärztlicher Direktor der Hochgebirgsklinik Davos-Wolfgang, jetzt auf Einladung der Kronberger Selbsthilfegruppe Asthma & Allergie in der Stadthalle beantwortete.
Der Referent gab in seinem Vortrag, dem eine lange Diskussion folgte, neben wertvollen Informationen auch zahlreiche Einblicke in die Heilpraktiken der Hochgebirgsklinik, die mit ihrer Lage auf 1600 Meter eine ausgezeichnete Umgebung für Asthmakranke und Allergiker bietet. "Wir haben zahlreiche Möglichkeiten zur Diagnose von Asthma", sagte Menz zur Standarddiagnostik. "Es gibt keine Patentantwort auf die Frage, wo die Ursachen für körperliche Überreaktionen aller Art liegen. Dies liegt immer in der jeweiligen Krankengeschichte und muss in mehrwöchigen Tests herausgefunden werden." Solche Tests wären zum Beispiel Belastungstests auf dem Laufrad. "Oft haben Asthmakranke gar keine Probleme, während sie sich körperlich anstrengen, aber sobald eine Ruhepause eintritt, gehen die Atemwege zu." Außerdem könne man die Lungenfunktion testen, wofür es in der Klinik spezielle Vorrichtungen gibt, oder man könne die bronchiale Reizbarkeit durch das Inhalieren provokativer Stoffe ermitteln.
"Die Klinik liegt an einem Ort, wo die wichtigsten natürlichen Auslöser für Asthma von vornherein ausgeschlossen sind: Die Pollenflugdauer ist extrem kurz, außerdem gibt es nur wenige Schimmelpilze. Ich habe noch keine Milbe gesehen, die es bis auf 1600 Meter Höhe geschafft hat", so Menz. Trotzdem solle man als Patient keine eigene Bettwäsche mit in die Klinik bringen: "Die Krankheitserreger sitzen vor allem im Kot der Milben, und der ist auch auf 1600 Metern Höhe unverändert." Neben weiteren Umwelteinflüssen und Medikamenten sei das Rauchen ein "ernster Auslöser" für Asthma, wie Menz betonte. "Dabei gibt es keine großen Unterschiede zwischen aktivem und passivem Rauchen. Beides ist extrem schlimm für Asthmakranke."
Für eine erfolgreiche Therapie seien einige Grundregeln zu befolgen. "Man muss Auslöser erkennen und umgehen lernen. Für den Behandelnden ist es wichtig, seine Patienten und deren Angehörige voll in den Behandlungsplan einzubeziehen." Außerdem müsse man das Krankheitsverständnis und die Kompetenz zur Selbsthilfe stärken. "Viele Patienten kommen mit dem Wunsch, endlich vom Kortison wegzukommen", berichtete Menz. "Aber eine Behandlung mit Kortison, ob inhalativ oder bei schwereren Fällen mit Tabletten, ist unerlässlich. Es gibt keine Alternative."
Dennoch zählte Menz verschiedene andere Medikamente auf, die zusätzlich zur Kortisontherapie wirksam und empfehlenswert seien. Anhand von zwei entgegen gesetzten Pyramiden verdeutlichte der Referent schließlich die Schweregrade einer Erkrankung und die damit verbundenen Kosten. "Je schwerer die Erkrankung ist, desto höher werden auch die Kosten."
Oft helfe für Asthmakranke nur Davos, doch leider sei es nicht immer leicht, dort eine Behandlung zu bekommen, führten Betroffene aus dem Publikum an. Viele Patienten würden bei ihren Bemühungen um eine Behandlung auch an der notwendigen behördlichen Bewilligung scheitern, hieß es. Hier bot der Vorsitzende Kronberger Selbsthilfegruppe, Günter Budelski, seine Hilfe an: "Wer sich bewerben möchte, kann sich jederzeit an mich wenden." |
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